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22.05.2019
Liebe Schildkrötenfreunde,

Am 23. Mai ist der Welt-Schildkröten-Tag. Ein Tag der es uns wert sein sollte in uns zu gehen und zu überlegen, wie sehr die ältesten Wirbeltiere der Erde gefährdet sind.
Newsletter 09-19-01
Aufgrund der weltweiten Bedrohung für Schildkröten wurde im Jahr 2000 erstmals der Welt-Schildkröten-Tag durch den American Tortoise Rescue initiiert und von der Humane Society of the United States ausgerufen.
Seither findet jährlich der Welt-Schildkröten-Tag am 23. Mai statt.
Dieser Tag dient dem Schutz der Schildkröten weltweit.
Etliche Arten sind vom Aussterben bedroht, viele Arten gibt es schon lange nicht mehr.
Zoologische Gärten und diverse Artenschutzprojekte sorgen weltweit durch Zuchtprogramme für den Erhalt aussterbender und besonders schützenswerten Arten.

Der diesjährige Welt-Schildkröten-Tag ist in der Auffangstation Stuttgart dem Xaver einer Griechischen Landschildkröte gewidmet.
Xaver ist mit knapp 90 Jahren die älteste Schildkröte in der Auffangstation.
Xaver wird über die Stationen eines Schildkrötenlebens berichten.

Offener Brief einer Landschildkröte

Hallo liebe Schildkrötenfreunde,

mein Name ist Xaver. Ich bin eine ca. 90 Jahre alte Griechische Landschildkröte. Zwar ist es mir nicht möglich mit Euch zu kommunizieren, allerdings hätte ich sehr viel zu erzählen.
Newsletter 09-19-02
Außer einem Weltkrieg habe ich große Veränderungen im eigenen Land erlebt.
In den 50er bis 80er Jahren hat man uns zu Hunderttausenden aus unseren ursprünglichen Habitaten Südeuropas geraubt.
Hotelanlagen die gebaut wurden, zerstörten unsere Lebensräume. Pestizide setzten uns so zu, dass viele meiner Artgenossen starben. Zergliederung der Landschaft und Autobahnbauten teilte unser natürliches Habitat.

Außerdem kamen noch viel zu viele Plünderer ins Land, die uns in Hinterhöfen von Zoohändlern in Deutschland in Holzkisten stapelten. Zu Hundertausenden starben wir einen qualvollen Tod. Diejenigen von uns die überlebten, wurden oft fatal gehalten. Salat, Bananen, Tomaten, Erdbeeren, eingeweichtes Brot, Hunde- und Katzenfutter diente als Grundnahrungsmittel.
Kalte zugige Dielenböden dienten als Bodengrund und eine Starre, wenn überhaupt, durften wir in Zeitungsschnipsel im Keller oder im Schlafzimmer unter dem Bett oder Schrank verbringen.
Hierbei starben wieder etliche von uns, da wir einfach verdursteten.

Mit der modernen Zeit wurde uns wenigstens die Wärme von unten zuteil, wie fatal. Denn jeder der bei Schildkröten über „Sachkunde“ verfügt, weiß, wie schlecht uns Fußbodenheizung tut.
Überdies rutschen wir über die glatten, kalten Fußböden und hatten keinen Halt. Selbst beim Kot absetzen rutschen wir in unsere eigene Sch......
Aber auch das haben wir überstanden. Ist nur die Frage wie. Ebenso jene Haltung irgendwo zwischen Hasenstall und Nordhang, der Panzer durchlöchert und am Baum angepflockt, zigmal vom Hund... angefressen.
Newsletter 09-19-03
Höcker sind übrigens kein Schönheitsmerkmal, sondern ein Zeichen falscher Haltung. All das überlebten wir teilweise. Viele jedoch von uns blieben auf der Strecke. Sie starben und sterben den jahrzehntelangen stillen Tod.

Wir sind größtenteils vom Aussterben bedroht. Das haben nicht wir Tiere zu verantworten, wo es uns doch bereits seit 240 Millionen Jahren gibt. Nicht Hungersnöte, Dinosaurier oder natürliche Katastrophen haben uns dahingerafft, ihr werdet es jedoch schaffen, wenn ihr nicht endlich umdenkt.
Aber auch diese Tatsachen läßt manche von Euch nicht einsehen, dass wir Bedürfnisse haben. Dass wir Wärme und Licht benötigen (wir sind keine Kaltstalltiere). Wir sind wechselwarm und leider von eurer Großzügigkeit abhängig.

Nicht nur ein verlottertes Dach über dem Kopf sorgt bei uns für Unmut. Auch der Geiz nichts in uns investieren zu wollen ist fatal. Manche Leute sehen noch nicht einmal darin einen Sinn Sepiaschalen o.ä. für uns zu kaufen.
Etliche von uns laufen buchstäblich im Standgas. Unser Motor wird nie warm, von V8 ganz zu schweigen – und wir können richtig rennen.
Natürlich möchten wir weder verschenkt noch als Kinderspielzeug dienen.
Ordentliche Ernährungsgrundlagen sollten geschaffen werden (wir sind rohfaserreich zu ernähren) und nicht mit Küchenabfällen.

Es ist für uns übrigens ein Horror, wenn ihr uns permanent wie Puppen rumschleppt. Richtet unser Gehege artgerecht ein, dann besteht keinerlei Bedarf, uns ständig dort raus zu holen. Schon gar nicht nachts, womöglich noch ins warme Wohnzimmer. Die Nachtabsenkung der Temperaturen im Garten ist für unseren hormonellen Jahreszyklus sehr wichtig für uns.
Wir wollen beobachtet werden, mehr auch nicht.

WIR SIND WILDTIERE, KEINE KUSCHELTIERE!
Zu unserer Intelligenz gibt es mittlerweile reichliches zu berichten. Forschungsergebnisse, die nicht aussagen, dass wir die Intelligenz eines Toastbrotes haben, sondern durchaus über einige kognitive und andere Fähigkeiten verfügen.
Wer liest ist klar im Vorteil. Aber auch hierbei muss man ein paar Euro mehr in die Hand nehmen um ordentliche Literatur zu erhalten.
Die andere, nicht empfehlenswerte Literatur ist dienlicher wenn es um Back- oder Kochrezepte geht, aber nicht bei Haltungsfragen. Denn wenn das aktuellste dass sich darin findet, der neue Umschlag mit aktueller Jahreszahl ist, der Inhalt jedoch antiquarischen Wert hat, kann man das wohl eher nicht empfehlen.
Wenn wir geistig so tiefbegabt sind, wie manche „Kenner“ von uns behaupten, wie sollten wir denn wissen, wie wir Euch immer wieder hinters Licht führen. Und glaubt mir, es ist einfacher als ihr denkt. Seid nicht Ihr diejenigen, die uns völlig verzweifelt Stunden suchen, um dann festzustellen, dass wir eigentlich direkt neben Euch saßen. ;-))
Der meist gesprochene Satz bei Schildkrötenhalter lautet: „Grad war sie noch da“.
An dieser Stelle gäbe es noch weitaus mehr zu berichten, allerdings bin ich höflich.

Auch möchten wir uns nicht an irgendwelchen Maschendrähten strangulieren, oder unser Dasein in Terrarien fristen und permanent gegen Scheiben rennen.
Selbst wenn wir noch so jung sind, benötigen einige unserer Arten die Winterstarre. Nein, es gibt keine überdimensionalen Zelte in Südeuropa, die die Jungtiere darin überwintern lassen. Starre zählt wie vieles zum Erhalt unserer Lebensqualität und Gesundheit.
Unser Gehege möge doch bitte so eingerichtet sein, dass wir kein Golfplatzfeeling haben, sondern klettern und graben können und das wir uns vor allen Dingen verstecken können. Wir lieben es nicht, auf dem Präsentierteller zu sitzen.

Natürlich möchte ich auch diese Halter erwähnen, die uns seit vielen Jahren und Jahrzehnten wirklich bestens und mit viel Wissen versorgen, gigantische Anlagen bauen und jede Menge Wildkräuter säen.
Es gibt sie, die uns an weitere Generationen vererben. Sie sorgen dafür, wofür man uns ins Land geholt hat, einfach für eine tolle und tiergerechte Haltungsform.

Auch jene möchte ich nicht unerwähnt lassen, die durch das Tor der Auffangstation Stuttgart schreiten und sagen: Sie müssen mir nichts erzählen, ich weiß bestens Bescheid“. Mit großer Aufmerksamkeit hören sie dann aber doch zu, saugen auf und setzen um.
Nach einiger Zeit kommen Fotos von veränderten tiergerechten Anlagen. Enkel wurden rekrutiert um endlich mal für die „Schildi“ was zu machen, das wollte man doch schon seit Jahren/Jahrzehnten.

Leider gibt aber auch die anderen, unverbesserlichen, denen unser Wohlergehen mittlerweile egal ist.
Das wichtigste für sie ist, dass wir einen Namen haben, auf den wir ohnehin nicht hören (können).

Sorgt doch bitte durch das erlangen von Sach- und Fachkenntnis dafür, damit wir künftig genau das bekommen was wir benötigen.
Wir sind kein tierischer Schrott, sondern die ältesten Wirbeltiere der Erde.
Uns geht es dann gut, wenn wir nicht länger durch die Gegend robben müssen, oder elend an Krankheiten durch Haltungsfehler sterben.

Pflegt uns so, dass wir uns wohlfühlen. Dann lebt bei Euch ein gesundes, aktives, lebensbejahendes Tier.

Danke fürs Interesse!
Euer Xaver
(Σας ευχαριστούμε για το ενδιαφέρον)

Beste Grüße
Christin Kern

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